Lyrische Pausen



Weihnachtszeit

Lebkuchen ab September
Schneeflocken in Schaufenstern
Tannenbäume aus Plastik

mitunter

die Lieder verkitscht

und dennoch






Wintergarten

Der knorrige Apfelbaum
Erleichtert die abgeernteten Äste

Der geduldige Wegerich
Stolz die zahlreichen Nachkommen

Die empfindsamen Rosen
Wärmend das angehäufelte Erdbett

Der ruhende Garten
Farbenprächtig die neuen Pflanzkataloge







Abreißkalender

Heute ist ein guter Tag
Heute ist ein guter Tag
Heute ist ein guter Tag
Heute ist ein guter Tag
Heute ist gut
Heute ist gut
Heute ist
heute

jetzt






Es dauert noch

Der Ruf der Wildgänse
malt eine blau flatternde
Ahnung
in bleiernes Grau

Leises Hoffen folgt ihnen
zaghaft lächelnd auf
Wolken
glitzernden Atems

Es dauert noch







Märchen

Lachend
Setzte sie Fuß vor Fuß
Hinterließ
Eine flüchtige Spur
Im Sand
Aus zerriebener Ewigkeit
Hungernd
Warf sich das Meer
Ihr zu Füssen
Verschlang
Schritt für Schritt

Seit dem
Badet im warmen Priel
Das Lachen.





Sichtbares Wortspiel

Offensichtlich
trübte Missgunst
ihre Sicht
verhinderte
den klaren Blick
auf sich selbst

Angesichts
fehlender Einsicht
in ihre Sichtweise
sah sie
sichtlich düster
in die Zukunft

Zuversicht
als bessere Ansicht
hätte zu sichtbar
positiver Aussicht
geführt





Bahnhof Göttingen

Die Lektüre vergessen
Das Schreibzeug auch
Allein die Zeit
Als Reisebegleiter

Kommt mit mir
Und unterhält mich
Gerade steht sie
Scheinbar

Wartend am Gleis
Bahnhof Göttingen
Richtung Süden
Meinen ruhelosen Blick

Die Minuten raffend
Belächelt sie milde
Ihrer Ankunft gewiss
Die lange Wegstrecke

Zwischen Hier und Jetzt
Ein Atemzug der Zeit




Würde

Anfangs
färbte sich
grau
Luft
Haut.

Dann
duckte sich
rot
Herz
Hoffen.

Schließlich
zerbrach
blau
Schlüsselbein
Welt
unter trunkenen
Fäusten.

Klein
der Koffer
grün
mit dem sie
geht




Im Café

Vergebliches Warten
Der Kaffee kalt
Wutwortstau

Zerkrümelte Zeit
Das Hoffen erfroren
Herznotpanik

Verzeiflungshassattacken
Enttäuschungszornseufzer
Und schließlich doch

Und schließlich doch
Endpunkterkenntnis
Und schließlich

Und schließlich
Zukunftsausblickversuch

"Einen Latte Macchiato, bitte!"




Nachts im Stadtpark


Im Teich
schimmerndes Gegenüber
des alten Mondes

Auf Parkbänken
müder Sinn
des Tages Worte

In Bäumen
zarte Girlanden
letzter Liebesschwüre

Am Weg
vergangene Stunden
auf zerknülltem Papier

Im Gleichklang
umarmt von Dunkelheit
leichte Schritte
Richtung Ausgang





⇑ Zum Seitenanfang
(c) 2016 Heidemarie Mönkemeyer
Am Moorhof 29
28870 Ottersberg
Telefon 04205 7544
heide.moenkemeyer@googlemail.com

website by www.jobimedia.de